Liebe Dasypyrum-Freunde,
auch im Namen des Vorstands möchte ich allen herzlich danken, die unsere Arbeit unterstützt haben, einerseits durch kleine und große Spenden für unsere Vereinskasse, andererseits durch Hilfe bei
der praktischen Arbeit.
Die Grundlage bildet die Zusammenarbeit mit den Landwirten; auf drei Höfen wurde dieses Jahr das Wildgetreide Dasypyrum villosum geerntet:
• am Lichthof: 1 ha der Sorte Krim am Kleinhölzle.
• am Hof Heiligenholz: 2 lange Versuchsstreifen im Roggenfeld am Döbleösch.
• am Hofgut Rimpertsweiler: 0,3 ha der Sorte Freies Korn sowie unsere Sortenprüfung.
Und die neue Saat fand statt:
• am Hof Heiligenholz bei Hattenweiler. Dort wurden 0,25 ha Freies Korn schon Anfang September mit halber Saatsstärke gesät, ein Versuch mit guter Bestockung Saatgut zu sparen. Und…
• am Lichthof: Dort wurden Anfang Oktober zur Saatgutvermehrung 0,3 ha der Sorte Krim gesät und für unsere Versuche ein langer Streifen im künftigen Roggenfeld vorbereitet.
Bei der Ernte unserer Versuche am Döbleösch (Hof Heiligenholz) hatten wir Anfang Juli noch bestes Wetter und wieder viele Helfer, so dass wir mit 2 Teams schnell vorangekommen sind bei der Sensenernte. Als bei der Mitgliederversammlung am 4. Juli doch der Regen drohte, haben in der Mittagspause alle mitgeholfen, die auf Planen nachgereifte, fast trockene Ernte zu „Mumien“ zusammenzurollen.
Auch das Feld am Kleinhölzle mit der Sorte Krim war inzwischen erntereif, aber es war Regen angesagt und wir mussten noch 4 Tage auf das nächste Sonnenfenster warten, bevor das Feld unter der Regie von Clemens Lüddecke gemäht und schon bald mit dem Claas-Mähdrescher von Thomas Bauknecht geerntet werden konnte. – Diese Verzögerung hat Verluste gekostet. Es war schon so viel ausgefallen, dass bald nach der Ernte eine dichte Wiese gewachsen war. Der Entschluss war schließlich, diese Wiese mit Egge und Striegel so weit auszudünnen, dass nochmal ein Feld wachsen kann für die Ernte 2026. Trotzdem war es sinnvoll, damit wir auch 2026 wieder brauchbares Saatgut haben, zusätzlich 1/3 ha neu zu säen.
In Rimpertsweiler war das kleine Feld mit der Sorte Freies Korn schon etwas früher reif, und das gemähte Feld konnte von Thomas Bauknecht mit seinem für die Dasypyrum-Ernte hergerichteten Claas-Mähdrescher aufgenommen werden. Allerdings bei später Saat und sehr magerem Boden war auch der Ertrag etwas dürftig. Insofern war es gut, dass wir einen Teil des Saatgutes zurückbehalten hatten für die oben erwähnte frühe Saat Anfang September.
Sie werden fragen: ist überhaupt noch etwas Brauchbares geerntet worden?
Ja, nur hatten wir am Kleinhölzle (Lichthof) mehr erwartet bei dem doch relativ dichten, gut entwickelten Bestand. Nach dem Entspelzen und ersten Reinigen sind noch gut 200 kg auf die Waage gekommen. Inzwischen ist einiges wieder als Saatgut weggegangen – zum Lichthof und auf einen Hof in der Oberpfalz. Der Rest wurde auf der Rheinau speisefertig gereinigt, und wir hatten dann (1. Wahl) noch 110 kg Dasypyrum-Korn. Von dieser Ernte hat Anne Dorer nun nochmal die guten Nudeln hergestellt und dem Verein gespendet!
Alle Nudel-Päckchen haben inzwischen schon wieder Liebhaber gefunden. Es gibt noch etwas Zwieback und selbstverständlich auch das gereinigte Korn von der diesjährigen Ernte, solange der Vorrat reicht (ca. 80 Kilo sind zurzeit noch verfügbar).
Die oben genannte „Sensenernte“ war
ein ca. 300 m langer und 4 m breiter Streifen im Roggenfeld zur Sortenerhaltung und Vorvermehrung mit 7 der wichtigsten Dasypyrum-Varianten. Trotz zögerlicher Entwicklung nach der Saat am 22.
Oktober (700 m über NN) wurden mittlere Erträge von hochgerechnet 3 bis 5,5 dt/ha erreicht. Dieser Versuchsstreifen wurde zusätzlich genutzt für jeweils zwei Saatgutbehandlungen (plus Kontrolle)
im Hinblick auf Kulturpflanzenmerkmale. Dies war einerseits eine Eurythmie-Behandlung von Gerhild Bee und andererseits eine Behandlung von Beate Oberdorfer mit den Keimwasser von dunklen und
hellen Körnern, aber wieder gemischt mit einem speziellen Verfahren, mit dem Fluidischen Oszillator der Firma Sonett (siehe:
https://www.sonett.eu/mistelform/herstellung/). Und zum Thema
helle und dunkle Körner siehe auch: Mitteilungen Keyserlingk Institut, Heft 28, Seite 35; https://www.saatgut-forschung.de/publikationen/mitteilungshefte/ > Heft 28 als Download). – Leider konnte der Versuch noch nicht abschließend ausgewertet werden, denn es ist ja die Frage, ob zumindest feinere qualitative Unterschiede im Sinne der
Bildekräfteforschung zu finden sind.
Auch der Zuchtgarten war wieder ein schmaler, langer Streifen im gleichen Roggenfeld, auch erst spät gesät Ende Oktober. Getestet wurden 31 Selektionen von 2022 und 2023 und 12 Farbauslesen von unserer Züchterkollegin Christina Henatsch. Die eigenen 22 Auslesen von 2024 (nur Handsaaten im Spelz) waren zum Schluss gesät worden. Zwei Tage später waren aber nur noch die leeren Spelzen zu finden. Die Vögel hatten gute Arbeit geleistet. Abgesehen von wiederum neuen Auslesen aus den Zuchtgarten-Parzellen wurden allerdings nur 5 Linien weitergeführt: Kräftige, möglichst einheitlich reifende Ähren und ein ausreichend homogener Bestand waren die Kriterien.
Auch die Sortenprüfung am Hofgut Rimpertsweiler hat beigetragen zur Beurteilung unserer Zuchtlinien.
25 Dasypyrum-Varianten wurden mit 1 bis 3 Wiederholungen auf 48 Parzellen geprüft. Leider waren die Bedingungen nicht optimal, einerseits wegen des späten Saattermins (30.10.2024), mehr noch wegen der (vorher nicht erkennbaren) starken Bodenunterschiede innerhalb der Versuchsfläche. Trotzdem, Wuchs, Ährenausbildung und Einheitlichkeit im Bestand waren auswertbar, auch der Ertrag bei dreifacher Wiederholung. Unterschiede wurden gefunden beim Tausendkorngewicht.
Schon länger war die Frage, ist Dasypyrum auch kochfähig wie Reis? Und: gibt es in dieser Hinsicht Sortenunterschiede? Die Kochprobe mir 20 Dasypyrum-Varianten ergab nur geringe Unterschiede. Nach einer Kochzeit von 30 min waren die Körner weitgehend aufgeplatzt und gut gequollen. Nur die dunklen Körner waren nicht vollständig aufgeplatzt. Und der Geschmack ist gut!
Novel Food: Wir bemühen uns, einen Antrag bei der Europ. Kommission bzw der EFSA (European Food Safety Authority) vorzubereiten. Eine erste Telekonferenz mit Mitarbeitern der EFSA hat stattgefunden, aber ohne dass alle unsere Fragen beantwortet werden konnten. In jedem Fall ist es noch ein weiter Weg, weil die Anforderungen sehr hoch sind.
Bertold Heyden, 19. Dezember 2025
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... zu Mumien
zusammengerollt
Am Kleinhölzle war noch ein zweiter Mähdrescher im Einsatz, um die nachgereifte Feldernte wieder aufzunehmen - ein Test, weil der Claas-Drescher 2026 nicht mehr zur Verfügung stehen wird.
Die Auslese soll weitergehen: Im reifen Bestand des Zuchtgartens suchen wir noch die stabilsten Ähren. - Und Karl Roth hilft dabei.
Ganz vorne: helle Roggenähren.
